München - FOCUS - Ausgabe 1/2020 ab Seite 14

 

KALTER ENTZUG VON DER POSTING-SUCHT

Kommunikationsexpertin Ines Felicitas Rittner hat sich vor dreieinhalb Jahren das erste Mal digital abgenabelt. Immer hatte ich das Handy am Ohr, habe Mails gecheckt, Nachrichten online gelesen und mein Leben auf Face-book gepostet", erinnert sie sich. "Bis meine Schwester mir einen Urlaub im Austausch gegen einen Monat ohne Nutzung der sozialen Medien anbot." Für Rittner fühlte sicih das anfangs wie kalter Entzug an. "Es ging mir gar nicht gut." Doch die Offline-Zeit bewirkte ein Umdenken. Rittner setzte sich Regeln für den Umgang mit Mobil-geräten und Sozialen Medien, die zu ihrem Leben passten. Geht sie mit dem Hund spazieren, bleibt das Handy zu Hause. Mails checkt sie nur noch zu festen Tageszeiten. Insgesamt setzt sie mehr auf persönliche Kommunikation als auf Messanger-Dienste: Ruf doch mal an! 2018 gründete Rittner gemeinsam mit Kommuni-kationstrainerin Barbara Schütze die Digital Detox Akademie in München. Unter anderem bieten sie Detox-Camps an, zweitägige Seminare für mehr Selbstfürsorge und Selbstregulation. Darüber hinaus bildet die Akademie zum zertifizierten Digital-Detox-Manager aus - eine Weiterbildung für alle, die etwa im Personalbereich oder betrieblichen Gesundheitsmanagement arbeiten. "Digital-Detox-Manager spüren in Unternehmen neuralgische Punkte auf, sprechen mit Personalverantwortlichen, wecken Sensibilität für das Thema und bieten innerbetriebliche Schulungen im Umgang etwa mit sozialen Medien an", sagt Rittner. "Es geht hier auch um Burnout-Prophylaxe und einen langfristigen besseren Umgang mit der wertvollen Ressource Mitarbeiter", ergänzt Kollegin Schütze.

 

Berlin - www.SCMonline.de - Ausgabe vom 22. Juli 2020

 

Digital Detox in Zeiten von Home Office und Corona

Ines Felicitas Rittner, Gründerin der Digital Detox Akademie, gibt Tipps für stimmige Kommunikation in Zeiten vom real existierenden Digital Overload.

Wir alle sind vernetzt. Morgens, mittags, abends – gefühlt rund um die Uhr. Ganz gleich ob Webinare, Online Live Trainings, Lernplattformen, Digital Leaderships, Video-Konferenzen, Online-Messen und e-Business Lounges: Spätestens mit und durch Covid-19 prägt der digitale Wandel die Entwicklung wie kein anderes Thema – und das spiegelt sich im täglichen Leben deutlich wieder. Im gleichen Maße, wie sich die Möglichkeiten für den modernen Austausch untereinander deutlich spürbar überhäufen und phasenweise ins Unermessliche potenzieren, steigen auf der anderen Seite die Herausforderungen an und alle, sich dem Ganzen klar zu stellen. Die einfache aber zugleich schwierige Aufgabe generations-übergreifend heißt: Eigene Grenzen zu erkennen, zu akzeptieren, zu leben und diese auch deutlich zu kommunizieren.

Da klingt Digital Detox erstmal wie ein Paradoxon. Erst recht in Zeiten wie diesen, wo ein „Offline“ undenkbar ist, wohlgemerkt fast alterslos über alle Schichten und Milieus hinweg. Einfach abschalten – das können viele gar nicht mehr. Auch nach Feierabend oder am Wochenende rechnen sie damit, dass die Chef*in, Kolleg*innen oder Kund*innen anrufen bzw. mailen. Da werden Accounts gecheckt, obwohl gerade Urlaub ist oder Feierabend. Es gibt ausreichend Zahlenmaterial und Studien die belegen, dass auch im Privatleben für berufliche Angelegenheiten die Zeitfenster weit geöffnet sind. Das muss jedoch nicht zwangsläufig schlimm sein. Smartphone und E-Mails machen es zum Beispiel für viele einfacher, Familie und Beruf zu vereinbaren, weil sie im Home Office arbeiten können. Doch die richtige Mixtur macht’s. Das Geheimnis liegt in der Intensität des Online-Konsums.

Eine neue Perspektive ist angebracht